Handwerkliche
Porträts aus West-Berlin der 1960er Jahre
Ein Berliner Fotounternehmen
Foto-Klinke wurde in den
späten 1930er Jahren gegründet und betrieb zeitweise bis
zu zwölf Filialen in Berlin – mit der Zentrale an der
Friedrichstraße. Der Schwerpunkt lag auf
Alltagsfotografie: Passbilder, Studioaufnahmen,
Familien- und Bewerbungsfotos.
Das
Unternehmen überstand Krieg, Teilung und
Wiedervereinigung. In den 1990er Jahren geriet es – wie
viele analoge Fotobetriebe – durch den Aufstieg der
Digitalfotografie unter Druck. 2002 wurde der Betrieb
eingestellt.
Ein kommerziellen Fotostudio - zwischen Alltag
und Inszenierung
Zwischen Passbild und Hochzeitsfoto, zwischen Routine und
Selbstdarstellung:
Der Bildbestand aus dem West-Berliner Fotostudio Foto-Klinke
dokumentiert den fotografischen Alltag der 1960er Jahre –
sachlich, routiniert, handwerklich geprägt.
Die gezeigten Bilder zeigen die
Arbeit eines Studios, das auf klare Abläufe und eine
wiedererkennbare Ästhetik setzte: Streng gescheitelte
Männer, toupiertes Haar, Sonntagskleidung, das Haustier –
Aufnahmen für Ausweise, Bewerbungen, Familienalben. Diese
Fotografien erzählen vom fotografierten Selbstbild
durchschnittlicher Berlinerinnen und Berliner jener Zeit –
geprägt von bürgerlichen Vorstellungen, Ordnung und
gepflegtem Auftreten.
Die Ästhetik war klar normiert, angepasst an den breiten
Geschmack: sachlich, kontrolliert, repräsentativ. Gerade
dadurch bieten die Bilder einen aufschlussreichen Blick auf
Darstellungskonventionen, Schönheitsideale und visuelle
Normen der Nachkriegszeit.
Ein Blick in
den Studioalltag
Der über Jahrzehnte aufgebaute
Bildnachlass von Foto-Klinke muss als umfangreich
eingeschätzt werden. Was davon nach der Schließung erhalten
blieb, ist weitgehend unbekannt.
Der hier gezeigte Bestand
besteht aus mehreren DIN-A4-Kartonbögen mit Rohabzügen und
stammt aus dem internen Auftragsarchiv. Nach der Schließung
des Unternehmens im Jahr 2002 gelangten diese Bögen über
einen Online-Händler in private Hände.
Der Fund dieser Archivbögen aus den 1960er Jahren stellt nur
einen kleinen Teil der Gesamtproduktion dar, ermöglicht aber
einen präzisen Einblick in die fotografische Praxis eines
professionellen Studios im analogen Zeitalter.
Die Bögen mit Belegbildern zu einzelnen Aufträgen dienten
ursprünglich der internen Dokumentation und möglichen
Nachbestellungen. Jeder Auftrag erhielt eine handschriftlich
vermerkte, fortlaufende Nummer – nicht zur Präsentation
gedacht, sondern als funktionales Arbeitsmaterial.
Die chronologische Ordnung erlaubt heute eine
aufschlussreiche Bestandsaufnahme fotografischer
Alltagspraktiken: Ein Passfoto folgt auf ein Familienporträt
mit Hund, darauf ein Hochzeitsbild, dann ein Bewerbungsfoto
oder Kinderporträt. Ein Nebeneinander fotografischer
Gebrauchsweisen – so ungeordnet, wie sie im Studio vom
Kunden beauftragt wurden.
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gibt es in diesen Magazinen als PDF download: